Was uns bewegt Vertrauenssache Jeder wiegt seinen Anteil selbst ab. Rezepte an der Wand machen Lust aufs Kochen (cid:31) omas Niederreiner kommt noch aus einem anderen Grund hierher. Der Sozialpädagoge arbeitet gerade mit einer kleinen Gruppe Jugendlicher, die unter psychischen Proble- men leiden, in einem Beet Mangold. „Für sie ist die Feldarbeit keine klassische (cid:31) erapie, sondern einfach ein Ort, an dem sie sein dürfen“, sagt Nie- derreiner. „Wer ist schon einmal unglücklich nach der Gartenarbeit wieder nach Hause gegangen? Ich kenne niemanden.“ Nach einigen Stunden an der frischen Luft, ohne Handy, ohne Druck, mit erdigen Fingern, geht es besser. Warum? „Weil auch wir Menschen wurzeln müssen“, sagt Niederreiner. A West- allgäu Am Nachmittag nach getaner Arbeit wird am Rand des Feldes ein langer Holz- tisch aufgestellt. Wer Zeit und Hunger hat, setzt sich in die Sonne, isst Salat und etwas Brot mit selbst gemachtem Auf - strich. Natürlich drehen sich die Gespräche um die Kürbisse, um Schnecken und das Wasser. Und auch darum, welche Pläne die Solawi in Zukunft noch hat – allein das gibt viel Gesprächsstoff . solawi-hofele.de Weitere Solawis in der Nähe Unter- allgäu C E B D Ost- allgäu Ober- allgäu A – Solawi Wangen solawi-wangen.de B – Solawi Baldenhofen in Argenbühl solawibaldenhofen.de C – Solawi Bad Grönenbach solawi-bad-groenenbach.de D – Solawi Jörg-Hof in Durach jörg-hof.de/#solawi E – Solawi Schafroth-Hof in Rettenbach schafroth-hof.de/solawi 31 Saatgut – Jungpfl anzen stammen bei den Greg genhofenern teils aus Biogärtnereien, teils aus eigener Anzucht. Und um empfi ndliche Lebewesen im Boden zu schützen, wird fast alles per Hand gemacht. Nur manchmal hilft eine Bodenfräse beim Umgraben. Carolin Köpping schiebt sie gerade über ein Beet, aus dem die Rettiche geerntet wurden. Chemische Herbizide, Pestizide, Fungizide oder syntheti- sche Dünger sind ein No-Go – gedüngt wird mit Kompost oder Pfl anzenjauchen, um die Nährstoff e im Kreislauf zu halten. Heute ist nicht nur Jät-, sondern auch Erntetag. Ab 14 Uhr können die Mitglieder das Gemüse abholen. In dem kleinen hölzer- nen Schuppen am Rand des Feldes bereiten Helfer die Kisten vor und schreiben auf eine Tafel, was es heute gibt: bei einer vollen Mit- gliedschaft 320 g Endivie, 330 g Mangold, 1 Kopfsalat, 400 g Grünkohl, 1 große Chili, 310 g Paprika-Mix, 220 g Palmkohl, 1 große Zucchini, 1 Gurke, 1 großer Rotkohl, 1 Mischkiste, 900 g Tomaten, 680 g Karotten, 2 Paprika, 500 g Zwiebeln, 2,2 kg Rettich. Müsste also locker für eine Woche reichen. Wer weniger isst, kann auch nur einen halben Anteil zahlen. Der kostet diese Saison 75 Euro pro Monat. JEDER NIMMT SEINEN ANTEIL MIT Bettina Schwarz und Werner Brutscher sind heute die Ersten. Wie in einem Hofl aden suchen sich die zwei Rentner das Gemüse aus, wiegen es ab und verstauen es in ihren Einkaufskörben. Niemand kontrolliert hier die Menge, absolute Vertrauenssache. Am Ausgang des Schuppens steht noch eine Verschenke-Kiste. Darin liegt Gemüse, das optisch nicht so schön oder von dem zu wenig da ist. Bettina Schwarz nimmt daraus noch ein paar lustig aussehende Karotten mit. „Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, das Gemüse im Supermarkt zu kaufen, weiß ich doch hier, wo es herkommt und dass keine Schadstoff e drinstecken“, sagt die 62-jä hrige Sonthofenerin. „Dann schmeckt es doch gleich doppelt so gut.“