Was uns versorgt Was uns versorgt 3. WINDRÄDER VERPESTEN DIE UMWELT MIT SONDERMÜLL UND MIKROPLASTIK Ja, durch die Erosion an Windrädern werden Mikropartikel abgerieben. Aber auch hier hilft ein Blick auf das Verhältnis: Das Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme (IWES) geht von ein bis drei Kilogramm Mikroplastik pro Anlage und Jahr aus. Das wären bei aktuell rund 30.000 Windrädern bundesweit an Land etwa 30 bis 90 Tonnen Abrieb. Zum Vergleich: Das Fraunhofer- UMSICHT-Institut gibt als größten Verur- sacher von Mikroplastik-Partikeln den Auto- reifenabrieb mit 102.000 Tonnen pro Jahr an. Selbst Schuhsohlen verursachen demnach gut 9.000 Tonnen jährlich. Hat ein Windrad ausgedient, muss der Betreiber es komplett rückbauen und fach- gerecht entsorgen. Mehr als 90 Prozent der Materialien können schon jetzt recycelt wer- den – vor allem Beton und Stahl. Ein Prob- lem waren bisher immer die Verbundstoffe in den Rotorblättern. Aber daran wird intensiv geforscht. Der dänische Windradhersteller Vestas hat einen chemischen Prozess entwi- ckelt, der das Epoxidharz aus den Rotor- blättern in wiederverwertbare Bestandteile zerlegt. Die deutsche Firma Novo-Tech stellt beispielsweise aus alten Rotorblättern wetterfeste Terrassendielen her. „Ohne weitere Windräder bräuchten wir nach neuen Berechnungen 550 Hektar zusätzliche Frei- flächen-Photo- voltaik im Land- kreis – da wäre das Allgäu nicht mehr grün, son- dern schwarz!“ Roman Haug, stellv. Landrat Oberallgäu 4. WINDRÄDER WERDEN DEN MENSCHEN EINFACH VOR DIE NASE GESETZT Nein. Der Weg zum Windrad ist ein langer und Bürger können an zahlreichen Stellen mitbestimmen. Aktuell muss der Regionale Planungsverband Allgäu zum Beispiel neue Vorranggebiete für Windkraftanlagen ausweisen. Dieser Prozess läuft seit mehr als drei Jahren. Beteiligt sind neben den Landrats ämtern Oberallgäu, Lindau, Ost- allgäu und Kaufbeuren die Kommunen der Region. Die Sitzungen des Planungsaus- schusses sind öffentlich, die Protokolle können in der Geschäftsstelle in Kaufbeuren eingesehen werden. Aktuell wertet das Team von Geschäftsführerin Irene Marquart 745 Stellungnahmen der Öffentlichkeits- beteiligung zum ersten Entwurf aus. „Wir nehmen alle Einwände ernst und sprechen mit jedem Bürger, der hier anruft oder vorbeikommt“, betont sie. Über das Verfahren informiert der Planungsverband unter www.region.allgaeu.org. Selbst wenn ein Vorranggebiet ausge- wiesen ist, heißt das nicht automatisch, dass dort auch Windräder stehen werden. Das Landratsamt prüft bei einem Antrag dann nämlich nochmals genau nach den Vorgaben des Bundes-Immissionsschutzgesetzes etwa zum Naturschutz und auf schädliche Umwelt- einwirkungen wie Lärm. „Oft ist ein Standort auch nicht wirtschaftlich, weil das Verlegen der entsprechenden Leitungen zu teuer wäre, oder die Geologie lässt kein starkes Funda- ment zu“, erklärt Roman Haug, stellvertreten- der Landrat des Kreises Oberallgäu. 12 5. AN WINDRÄDERN VERDIENEN NUR GROSSE STROMKONZERNE Das stimmt so nicht. Schon jetzt sollen Kom- munen im Umkreis von 2,5 Kilometern um ein Windrad mit 0,2 Cent pro eingespeiste kWh beteiligt werden. Das entspricht unge- fähr 25.000 Euro pro Jahr. Die AllgäuStrom- Partner tun das bei ihren Anlagen. Bayern plant gerade ein neues Gesetz, das eine Zah- lung an die Gemeinden in Höhe von 0,2 bis 0,3 Cent pro kWh zur Pflicht macht. Zudem sollen die Bürger sich grundsätzlich an den Anlagen beteiligen können. Die Kommune kann nach Ablauf der Abschreibungsfristen mit 90 Prozent der Gewerbesteuereinnahmen und gegebenen- falls auch mit Pachteinnahmen rechnen. In der Region sind zudem schon zahlreiche Bürger an Windkraftanlagen beteiligt – in Wildpoldsried zum Beispiel rund 400 Haushalte. Und auch wenn lokale Energie- versorger, die in kommunaler Hand sind, in die Windkraft investieren, profitieren die Bürger vor Ort davon. 6. WINDRÄDER SIND HIER NICHT EFFIZIENT Das ist nicht richtig. Moderne Windräder haben eine viel höhere Leistungsfähigkeit als früher und sind deshalb nicht mehr nur in Starkwindgebieten effizient. „Wären Windkraftanlagen hier nicht rentabel, fänden sich keine Investoren dafür“, sagt Martin Sambale, Geschäftsführer des eza! – Energie- und Umweltzentrums Allgäu. Ulrich Geis ist Geschäftsführer der Energie allianz Bayern, die Projekte mit Er- neuerbaren in ganz Deutschland entwickelt, und ergänzt: „Natürlich bläst in Norddeutsch- land mehr Wind. Aber allein schon um unsere Energie-Infrastruktur gleichmäßig aus zu- lasten, ist Windkraft vor Ort – neben der Solarenergie – volkswirtschaftlich sinnvoll.“ Und die Ökobilanz? Je nach Standort und Windaufkommen haben Windkraft- anlagen bereits nach drei bis elf Monaten die Energie erzeugt, die für Anlagenbau und -rückbau nötig ist, stellt das Umwelt- bundesamt fest. Ein Windrad wird durch- schnittlich 25 Jahre betrieben, in dieser Zeit wird 40-mal mehr Energie produziert, als über das gesamte Produktleben investiert wird. 7. FÜR DEN BAU VON WINDRÄDERN WERDEN WÄLDER ZERSTÖRT Das ist extrem übertrieben. Wird eine Wind- kraftanlage in den Wald gebaut, muss dafür dauerhaft etwa ein halber Hektar gerodet werden, das entspricht nicht ganz einem Fuß- ballfeld. Für den Bau braucht es zusätzlich 0,4 Hektar, die aber später wieder aufgeforstet werden. Der Vorteil in bewirtschafteten Wäldern: Hier sind meist schon schwerlast- fähige Wege für den Bau vorhanden. Übrigens: Ein halber Hektar Wald bindet pro Jahr ca. fünf Tonnen CO2. In derselben Zeit vermeidet eine moderne Wind- energieanlage ca. 10.000 Tonnen. 8. WINDRÄDER STEHEN DAUERND STILL Das mag manchmal so wirken und gute Gründe dafür gibt es einige: zu wenig Wind, Schutz von Vögeln und Fledermäusen, War- tung oder vereiste Rotoren. Fakt ist aber: „Un- sere Anlagen in Wildpoldsried und Kraftisried laufen zum Beispiel rund 80 Prozent der Zeit übers Jahr hinweg“, sagt Thorsten Häusler, Leiter Erzeugung beim Allgäuer Überland- werk. „Damit schlägt die Windenergie die Photovoltaik deutlich, die ja grundsätzlich nur tagsüber Strom produzieren kann.“ 13